Hölzerne Wasserspeicher für New York
Auf den Beinen stählener Unterkonstruktionen krönen zigtausende hölzerne Riesenfässer die Dächer Manhattans. Sie garantieren der Stadt der gigantischen Wolkenkratzer das Überleben bei einem Brand, denn in den überdimensionalen Bottichen schwappen rettende Löschwasserreserven. Das Otto Normalfaß schluckt bei einem Durchmesser von 3,5 Metern ca. 40 000 Liter Wasser.
Sogar in der High-Tech-Metropole hat sich das einfache Prinzip des inneren Druckausgleiches behaupten können. Beim Brandschutz setzt man nach wie vor auf die pumpenlose Effizienz kommunizierender Röhren. Für satten Druck auf dem Rohr sorgt - auch bei Stromausfall - die Platzierung des Tanks auf dem Dach. Doch nicht nur im Brandfall sondern auch im Alltag leistet das Wasser von oben seine Dienste für Toiletten, Küche oder Bad.
Die Montage des Tanks geschieht nach allen Regeln der Böttcherkunst. Vorfabrizierte Dauben aus unbehandeltem, rohen Zedern- oder Redwoodholz werden aufeinandergesteckt, vernutet und alle 30 cm mit Faßbändern aus galvanisiertem Eisenblech umgürtet. Nach dem Anschluß ans Wassernetz erhält der Tank eine kegelförmige Kappe aus Teerpappe und Sperrholz.
Die Holzzylinder benötigen weder eine intensive Wartung, noch sind sie witterungsanfällig. Es genügt, sie einmal im Jahr gründlich auszuschrubbern. Mit einer derart minimalen Pflege können die Fässer mehr als ein halbes Jahrhundert lang auf dem Dach Wind und Wetter trotzen. Auch gegen Feuer sind sie gefeit. Hat sich das Holz erst mit Wasser vollgesogen, kann es fünfmal mehr Hitze aushalten als Stahl. Die Saugkraft der Dauben läßt auch Lecks keine Chance: Sie quellen so auf, daß nahezu jede undichte Stelle verschlossen wird. Dazu kommt noch, daß die 7 cm dicke Holzwand so gut isoliert wie 50 cm massiver Beton. So bleibt das Wasser im Sommer kühl und im Winter droht es nicht zu gefrieren.
Die Holzzylinder konnten sich bis heute gegen Stahl- und Kunststofftanks behaupten, denn sie trotzen Wind, Wetter und Feuer, sind kostengünstig und bewährt. Da sieht man wieder, nur mit Holz kann man Wolkenkratzer g´scheit bauen.